Philosophie

_M4Z0314Als menschliches Wesen, Freundin, Liebende, Mutter, Kollegin, Suchende, Krisen Geprüfte, Fragende, Inspirierte… …und auch Begleiterin mit Kunst-u. Traumatherapeutischen, Imagodialog- und Körperorientierten Erfahrungen,  bin ich von den vielen verschiedenen Möglichkeiten, Menschen mit intuitiven, kreativen, gemeinsamen Erleben und Einfühlen (therapeutisch) zu fördern, inspirieren und unterstützen, überzeugt.
Ich teile die Ansicht mit Joseph Beuys, dass jeder Mensch in sich Fähigkeiten trägt, durch kreative Gestaltungserfahrungen (und damit meine ich jegliches Gestalten in sich, an sich, um sich) selbstheilende Impulse (wieder) vermehrt beleben zu können.
In der begleitenden Therapie kann ich mich gemeinsam mit meinen KlientInnen, also den therapeutischen BeziehungspartnerInnen auf die Suche nach seinen/ ihren Ressourcen machen und ihn/ sie dabei begleiten, diese wieder, oder vermehrt zu nutzen und weiter zu entwickeln. Dabei lerne ich stets wieder etwas über mich selber, und für weitere Begleitungen.
Dabei helfen z.B. bildnerische Gestaltungsprozesse, Körperwahrnehmungen und Körperarbeit, Dialoge, musikalische Begleitung und Unterstützung, gemeinsam mit wunderbaren Kollegen wie Peter Heinrich, Laurentius Rainer, Olaf Zeigert, aber auch Kognition, zum Teil verschüttete, überformte, oder einfach nicht genutzte Ressourcen aufzufinden, und ihnen wieder Raum und Dynamik zukommen zu lassen.
Ich gehe stets von einem salutogenen Menschenbild (Aaron Antonovsky)aus. Das bedeutet, dass ich mich an gesundenden Prozessen orientiere, und daher Ressoursenorientiert arbeite. Denn jede, auch noch so bizarr, verrückt oder beängstigend wirkende Verhaltensweise oder Zustand ist eine Antwort auf einst lebensbedrohlich Erlebtes, steht also in Reaktion, und in Resonanz auf/ mit etwas Altem. Da dies aber oft nicht in Zusammenhang gedacht und erlebt wird, passieren Schubladisierungen aus einer Art Hilflosigkeit heraus, und dem daraus resultierenden Bedürfnis etwas wegzumachen. Daher werden oft Symptome bekämpft, anstatt versucht die verschiedenen Kompensationsleistungen (Strategien die sich aus einstigen (Lebens)bedrohlichen Erlebnissen etabliert haben, und immer noch wirksam sind, obwohl die Gefahr längst vorüber ist) zu verstehen. Daher nehme ich Abstand von patologisierenden Diagnostizieren, und versuche vielmehr gemeinsam mit meinen KlientInnen die möglichen Ursachen zu bedenken, und die in den Kompensationsleistungen enthaltenen Ressourcen mit gesundenden Anteilen zu verknüpfen, und so weit zu stärken, dass sich neue Lösungsmuster etablieren können.  Dadurch dürfen sich Symptome langsam verringern, bis sie nicht mehr als Abwehrmechanismen gebraucht werden.  Dadurch kann auch das einstige (traumatische) Erleben in der Vergangenheit verankert werden.

_M4Z0315Die Schwierigkeit dabei ist, oft erstmals das Verstehen der eigenen Haltung, des Handelns und Agierens in bestimmten Situationen. Sehr oft, besonders wenn es dabei um heftige Gefühle und Reaktionen geht (z.B.: „Flashback“), oder sogenanntes “Ausagieren” (überzogene Reaktionen), Ohnmachtsgefühle, Ängste und Panik geht,  handelt es sich um eine “späte” Reaktion auf einen meist unbewussten Trigger. Also „Schlüsselreitze, die einstmals (oft traumatisch) Erlebtes durch einen (manchmal sehr geringen) sinnlichen Reitz oder einfach ein bestimmtes Datum im Hier und Jetzt wiederbeleben, und die tatsächliche Realität so weit verzehren, dass sie nicht mehr als solche wieder erkannt werden kann. Somit findet eine Überlagerung zweier oder mehrerer Zeiten statt. Dann werden Orte und Menschen “verwechselt” und wie durch einen Filter z.B.: bedrohlich, übermächtig, feindselig, ekelig,… erlebt. Meist passiert dieser Wechsel in die „falsche“ Zeit unbewusst. Zum einen, weil man/frau sich nicht erinnern kann (subkortikal, nicht in den oberen Hirnregionen gespeichertes Ereignis, oder Ereignis-teile, wie bei allen traumatischen, insbesondere sehr frühen, z.B.: auch pränatalen Erlebnissen), oder sich noch nie mit eigenen Traumata auseinander gesetzt hat, und deshalb keinen Zusammenhang erkennen kann. Oftmals, insbesondere bei frühen und komplexen Traumata laufen solche Trigger schon automatisch und chronifiziert ab, werden aber nicht als solche erkannt. Vielmehr erlebt man/frau sich als hilflos, ausgeliefert, angefeindet, krank, behindert oder gar verrückt, oder auch grandios, unwiderstehlich, gescheiter als alle Anderen,… (Intellektualisierung als Schutzmuster). Unverständnis, Schubladisierungen, Pädagogik, Diagnosen, Behandlungen, Medikationen und strukturelle Gewalt, sowie Hörigkeit, Machthunger, Co-Verhalten, Anbiederung verstärken und bestätigen diese Selbst- oder Überbewertungen noch oft genug tatreich, und sind doch nur die andere Seite der “Medaille”.
Gelingt aber ein Verständnis, Unterstützung, Ermunterung, Fördern, gesundes Abgrenzen, Zumuten, Comitment, Vertrauen und das Herausfiltern, der eigentlichen Geschichte dahinter, oder zumindest Teile davon, gibt es auch die Möglichkeit der Defusionierung (auseinander bringen) von Damals und Heute.
Da dies alles langsame und geduldige Herangehensweisen  und respektvolle Haltungen sowie genügend Selbstfürsorge braucht, um eine Deckelung, Retraumatisierung,, Verletzungen, oder Überflutungen mit allzu starken nicht auffangbaren Dynamiken zu vermeiden, bin ich eine Vertreterin von langsamen Prozessen mit genügend Verarbeitungszeit und (Therapie)pausen. Ich sehe es auch als meine Aufgabe meine KlientInnen so gut ich kann zu informieren und jeden Schritt gemeinsam zu entscheiden. Trotzdem können heftige Reaktionen auftreten, da niemand vor einem Trigger gefeit ist. Daher ist die Etablierung von Vertrauen mit der Begleiterin und ihrem Raum so wichtig, da diese im besten Fall als Sicherung, Anker und Abfederung dienen.

Aus diesen Gründen, ist mir das wichtigste Anliegen in der therapeutischen Begleitung, die vertrauensvolle Beziehung zwischen KlientIn und TherapeutIn, und die Etablierung einer Zusammenarbeit, weswegen diese immer im Mittelpunkt meiner Arbeit und Betrachtung steht. (Übertragung und Gegenübertragung) Ich arbeite vor allem mit der Technik der Parallelisierung, welche den therapeutischen Raum und die therapeutische Begleiterin als sicheren Ort immer wieder für die KlientInnen selbst überprüfbar macht.
Jeder Mensch wird in Beziehung auf verschiedenste Art gezeugt, geboren, begleitet, geliebt, geschützt, aber auch in Beziehung verletzt, vernachlässigt, missverstanden, überfordert,…
Deshalb kann es aber auch vor allem in Beziehung gelingen, an den eigenen Geschichten zu arbeiten, und sich selbst, und in Beziehung zu Anderen besser verstehen und kennen zu lernen. Denn wir haben als Menschen alle die gleichen Grundbedürfnisse. So verstehe ich zumindest heilsame Beziehungsarbeit.

Jede Beziehung birgt deshalb Entwicklungspotenzial in sich. In der Therapie wird es, so es gelingt, in progressivem Sinne positiv für die Entwicklung genutzt. Insbesondere kommt dies deswegen auch in der Paar, oder Gruppen-Therapie/Begleitung zum Tragen.
Deshalb überprüfe ich gemeinsam mit meinen KlientInnen auch immer wieder die therapeutische Beziehung und den therapeutischen Raum hinsichtlich des Sicherheitsgefühles, Vertrauen und der Zusammenarbeit.
Dazu gehören auch Blicke von außen auf mich, und meine therapeutische Arbeit, also von meinen SupervisorInnen, genauso wie meine Weiterbildung und Austausch mit KollegInnen und anderen Menschen aus ergänzenden Berufs- und Lebensfeldern. Mein Verständnis für mich selbst, meine Kooperation mit mir selbst und meinem Unbewussten.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist das Containment (Bewahren) von schwierigen Erinnerungen, Geschichten und Gefühlen. In der Kunsttherapie fungiert die z.B. die Gestaltung als wesentliches Element der Sicherung (Safe). In der Gestaltung birgt sich oft schon eine Geschichte, die hervor kommen und gesehen werden will, aber vielleicht noch nicht reif ist, für eine Bearbeitung, oder gar Analyse. In dieser Zeit ist sie aber bereits in der Gestaltung abgelegt (containt) und wirkt dadurch bereits entlastend, aber auch gleichzeitig angenommen, angereichert und im Beginn einer Integration. Dann hat der/die KlientIn Zeit, auch Raum Ressourcen zu schaffen. Zu einem späteren Zeitpunkt ist es dann vielleicht möglich genauer hin zu spüren, welche Ebenen in der Gestaltung/Geschichte berührt, und vertieft werden wollen.
Ich lasse mich hierbei vor allem vom Tempo und den Gefühlen meiner KlientInnen leiten, und vertraue auf deren Intuition und Wahrnehmung, wann diese Zeit für sie reif ist. Das Wesentliche hierbei ist , diese Signale zu lesen. Oft zeigen sich Themen und Inhalte einige Gestaltungen später, oder es wird plötzlich möglich etwas anzusprechen, etwas zu erinnern. Jeder Mensch hat da seine eigene Dynamik und Zeit. Manchmal will etwas aber auch gar nicht bearbeitet werden, sondern einfach ruhen und überwachsen werden. Nicht immer geht es ums sogenannte ” Aufarbeiten”, oft ist es auch gar nicht an der Zeit, weil es  zu Vieles im Leben durcheinander bringen würde (Destabilisation), und in bestimmten Lebensphasen zu viel Kraft kosten würde. Vor all diesen verschiedenen Prozessen gilt es für mich Respekt zu haben, und mit Geduld und der Gewissheit zu begleiten, das alles seine eigene Zeit und seinen besonderen Rahmen braucht.

Das Hier sein, und aufmerksame Bestehen von meiner Seite, sowie meine Kontinuität und Transparenz im Handeln, halte ich für die entscheidenden Faktoren meiner therapeutischen Begleitung. Eine Haltung voller Respekt vor dem Gegenüber,  Einfühlung und natürlich Wertschätzung.

Damit dies gelingen kann, achte ich zunehmend immer mehr auf meine eigene Selbsteinfühlung, und gelingenden Verbindungen und Vernetzungen zu liebevoll fördernden und inspirierenden Menschen.
So konnte ich bei meinen LehrtherapeutInnen, SupervisorInnen, KollegInnen und FreundInnen immer wieder wesentliche Unterstüzung und Verständnis finden.
Durfte mit Anderen Singen, Musizieren, Gestalten, Tanzen, Wandern, u.v.m., mich inspirieren lassen, lieben und geliebt werden, halten und gehalten werden, fördern und gefördert werden,…und so nach und nach alte Wunden heilen lassen. Ich verstehe das als einen lebenslangen Prozess, welcher auch Krisen, Trauer und neue Traumata beinhalten kann, aber mich mehr und mehr zu einem starken Kohärenzgefühl (Stimmigkeitsgefühl mit sich und der Welt) führt.
Aus dieser wunderbaren Erfahrung heraus begleite ich auch selber gerne Menschen, mit der Hoffnung auch Andere dabei zu unterstützen, eine solche Grundstimmung zu entwickeln. Unter anderem habe ich z.B.: deswegen auch gemeinsam mit einem guten Freund, und Kollegen Thomas Perkonig, eine Salutogenesegruppe gegründet, die sich bereits selbst trägt, und arbeite zusammen mit ihm an Begleitungsmöglichkeiten, die vor allem die eigene Selbsteinfühlung und die Verbindung zur Intuition fördern soll.
Vielleicht gelingt uns: das Wünschen ohne Forderung, die Weite der Welt, die vielen Möglichkeiten von liebevollem Zusammensein, das Fördern und Unterstützen(lassen), eigene Verantwortung übernehmen, Danke und Nein (Kathi Byron), Bitte und Ja sagen, inspirieren (lassen), uns als wertvoll erkennen und Lieben in allen Farben lernen.
Ich wünsche mir auch immer öfter all die Menschen denen ich negative Zuschreibungen gebe als meine MeisterInnen zu erkennen. Und all den Menschen die ich liebe ihren Raum und Ihre Würde zu lassen, selbst wenn sie mich missverstehen, oder unbewusst verletzen. Das ist wohl ein lebenslanges Lernen dürfen…

Eine Aussage von M. Gandhi die mich immer wieder leitet:
“Was Du in der Welt finden willst, erschaffe erst in Dir selbst” 
Möge mir das mit “Gottes” Energie (damit meine ich allgemein das was man/frau als Glück bezeichnet) und meinem dafür Einstehen immer öfter mal gelingen.